top_3.gif


Gastwirtschaft und Handlung Johann Hinrich Hempen

1860 baute sich der aus der Hempenstelle in Ekern stammende Johann Hinrich Hempen mit seiner Ehefrau Anna Catharina, geb. Bulge auf einem ½ ha Land ein Bauernhaus im Ammerländer Baustil, die heutige Bauerndiele. Es wurde zunächst nur eine kleine Landwirtschaft betrieben.

chronik_01.jpg
Diese Aufnahme zeigt das Anwesen um 1900. In der Mitte das 1860 errichtete Bauernhaus noch ohne Schornstein, aber die Bedachung schon mit Holzziegel. Vorne im Bild "Hempen Fied", der gerade seine Gäste bewirtet.

1870 entschloss man sich, eine "Consession für eine Schenkwirtschaft" zu beantragen. Die Gelegenheit schien günstig zu sein, da der Verkehr auf der gerade neu gepflasterten Straße immer mehr zunahm. Am 12. April 1870 wurde die Konzession erteilt und das war die Geburtstunde der heute über 125 Jahre alten Gastwirtschaft. Johann Heinrich Hempen betrieb schon bald einen Handel mit geräuchertem Schinken, Speckseiten und Würsten. Diese Handelswaren und andere Erzeugnisse aus der Landwirtschaft wie Eier, Butter und Geflügel mussten bis 1880 zu Fuß mit der Karre nach Oldenburg zum Verkauf gebracht werden. 1880 dann konnte ein Pferd angeschafft werden, und man hatte es mit dem Transport der Waren doch leichter.

In der Gastwirtschaft richteten die Eheleute Hempen eine Handlung ein. Hier wurde zum Verkauf angeboten: Zucker, weißes Mehl, Reis, Salz, Graupen, grüne Kaffeebohnen zum Selbströsten, Schlachtgut, Eier, Schnaps, Brennstoff für die Petroleumlampen, Carbid für die Carbidlampen und Holzschuhe. Inzwischen war sein Sohn Friedrich zu einem tüchtigen, weitsichtigen und eifrigen Geschäftsmann herangewachsen, der alles Neue wissbegierig aufnahm, um es dann auch umzusetzen.


Ab 1890 ging die Weiterentwicklung rasant vorwärts. Der anfangs nur bescheidene Handel mit geräuchertem Schlachtgut wurde um die Fabrikation feinster Ammerländer Fleisch- und Wurstwaren erweitert. Fahrräder, Nähmaschinen, Milchzentrifugen und Landmaschinen wurden ins Vertriebsprogramm aufgenommen. Eine Fertigung von Zementwaren kam als neuer Vertriebszweig hinzu. 1871 wurde die Ekener Mühle erworben. Der Handel mit Getreide, Dünge- und Futtermittel, Sämereien, Zement und Baukalk wurde so nach und nach aufgenommen. Als 1900 das Handelsregister eingerichtet wurde, gehörte "Hempen Fied" (so hieß er inzwischen im Volksmund) zu den Ersten, die eingetragen wurden.

chronik_02.jpg
Diese Aufnahme ist in den 1910er Jahre gemacht worden. Das Bauernhaus jetzt schon mit Schornstein, Bauernhaus und Scheune sind neu eingedeckt mit flachen Zementdachziegeln aus eigener Produktion. Vorne im Bild "Hempen Fied" mit seinen Kindern auf dem Fahrrad.


1908 erfolgte dann der Bau eines neuen Wohn- und Geschäftshauses, in dem die Gastwirtschaft mit Handlung ihr neues Domizil fand. Schön eingerichtete Clubräume boten die Möglichkeit auch Gesellschaftsfeiern wie Vereinsfestlichkeiten, Kohlfahrten und Ausflugsfahrten ins Angebot aufzunehmen. Mehrere Vereine, der Gesangverein "Treue Brüder", ein Fahrradverein und ein Geburtstagsverein fanden hier ihr Vereinslokal. Das Warenangebot in der Handlung wurde erweitert und Gemischtwaren kamen hinzu. Für die Hausschlachtung bot man fertige Gewürzmischungen für verschiedene Wurstwaren an. Dieses Angebot wurde von Kunden aus dem weiten Umkreis gerne genutzt, da man nur das ungefähre Schlachtgewicht des Schweines angeben brauchte. Die richtigen Gewürzmengen für eine wohlschmeckende Wurst wurde danach zusammengestellt. Aber auch in der Landwirtschaft war man sehr erfolgreich und sie vergrößerte sich erheblich. So wurden aus ½ ha Land am Anfang bis 1914 immerhin 82 ha eigene genutzte Landfläche.

chronik_03.jpg
Hier präsentiert "Hempen Fied" 1915 seine bekannten Ammerländer Räucherwaren von Schinken bis hin zu verschiedenen Wurstsorten. Seine Kunden, die damals schon mit dem Auto kamen, sind sichtlich zufrieden über dieses reichhaltige Angebot.

Die schwierige Zeit während und nach dem ersten Weltkrieg mit der Weltwirtschaftskrise und der Inflation engte die erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens bis zum Anfang der 30er Jahre sehr stark ein. Mit kaufmännischem Geschick meisterten Friedrich Hempen und sein Sohn Johann diese wirklich schwere Zeit.
Danach ging es wieder aufwärts, aber schon bald brach der zweite Weltkrieg aus mit all seinen Folgen. 1944 verstarb Friedrich Hempen (Hempen Fied). Nachdem die Kampfhandlungen 1945 vorbei waren, stand man vor einem Scherbenhaufen. In allen Gebäuden waren die Fensterscheiben kaputt, die Dächer waren stark beschädigt, die Wirtschaftsgebäude halb bzw. ganz zerstört. Einen Teil davon hatten die Besatzungstruppen einfach in einen großen Sprengtrichter in der Straße geschoben. Das ganze Vieh auf dem Hof und auf der Weide in Sibirien war tot oder weggelaufen.



Von dem weggelaufenen Vieh hat man nur eine Sau mit ihren Ferkeln und einige Kälber wiedergefunden. Nun lag es in den Händen von Johann Friedrich Hempen und seiner Frau Anna, geb. Röben, den Betrieb wieder aufzubauen. Nach reiflicher Überlegung entschloss man sich, nur die Betriebszweige Gastwirtschaft, Handlung mit Gemischwaren, Fertigung von Zementwaren, Landhandel und natürlich die Landwirtschaft wieder aufzubauen. Die Betriebszweige Fleischwaren, Schmiede und Fahrradhandel baute man nicht wieder auf. Nach der Beendigung des landwirtschaftlichen Studiums heiratete die Tochter des Hauses, Annemarie Hempen, den Landwirt Helmut Prien. Von da an kümmerten sich die Beiden schwerpunktmäßig um die Landwirtschaft. Mit Beginn der 70er Jahre wurden die gewerblichen Bereiche, außer der Gastwirtschaft nach und nach aufgegeben. Ab 1976 entschloss man sich, die Gastwirtschaft zu einem rustikalen gastronomischen Betrieb mit vielseitigem Angebot auszubauen. Als erstes wurde das "Bückel braten" ins Angebot aufgenommen. 1978 baute man eine Kegelbahn und 1980 begann der Ausbau der alten Bauerndiele von 1860 zu einem rustikalen Gesellschaftsraum im alten Stil mit offenem Herdfeuer. Leider war es Johann Hempen nicht vergönnt, die Fertigstellung mitzuerleben, da er 1980 verstarb. Auf der Bauerndiele wurden nach der Fertigstellung Holschenbälle und Schlachtfeste abgehalten. Sehr beliebt war sie damals schon für Kohlfahrten und Familienfeste.

chronik_04.jpg
Auch 1914 gab es schon Kohlfahrten, diese Bild zeigt den Club "Nordseestrand" beim deftigen Grünkohlessen bei "Hempen Fied". Diese Aufnahme zeigt nicht nur eine zufriedene Gesellschaft, sondern auch das schön eingerichtete Clubzimmer.

1990 folgte die Geschäftsübernahme durch Hans Gerd Brüntjen und Frau Ingeborg, geb. Prien. Zur gleichen Zeit wurde die Gaststätte gründlich renoviert. Nun konnten auch kleinere Gesellschaftsgruppen gut bedient werden. Danach erfolgte die Umgestaltung der gesamten Hinterhofanlage mit dem Ziel, diese in den gastronomischen Betrieb einzugliedern. Funktionsgerecht eingebunden in die alte Hofanlage wurde ein Wagenbauer, ein Backhaus und eine Remise, die man alle im alten Baustil neu errichtete. Den Innenraum der großen Scheune gestaltete man um, so dass hier auch große Veranstaltungen wie Scheunenfeste, Weinfeste, Tanz in den Mai und auch große Hochzeiten durchgeführt werden können. Heute wird der gastronomische Betrieb immer noch unter dem traditionellen Namen "Hempen Fied" betrieben. Er ist weit über die Grenzen des Ammerlandes hinaus bekannt und sehr beliebt durch die besondere Atmosphäre, die man kaum woanders findet.

(Auszug aus der Dorfgeschichte der alten Bauernschaft Ekern 1270 - 1999 von Joh. Tirre)

1059226